FREDMANS EPISTEL N:o 9
An die Alte vom Thermopolium Boreale und ihre Jungfern.
[1] Lieberte Brüder, Schlecker und Immen,
Seht Vadder Berg die Streichmarie stimmen!
Augen dabei geschlossen,
Den Bogen unter dem Arm.
Nase geplatzt, die blitzblaue Gaube,
Fummelt und dreht er, spuckt auf die Schraube.
Dann wird der Zahn begossen.
Allmählich spielt er sich warm;
Grinst mal ergeben,
Schrubbt mal daneben,
Geigt aber schließlich sauber mit Charme.
Los! Jungis, auf! Allez! Menuett!
Hut in die Hand und Handschuh adrett!
Kuck mal! Schau! Korona :
Da kommt Miss Ilona,
Nagelau in blue and red.[2] Joi! Jergen Puckel schwenkt den Zylinder,
Raucht wie ein Schornstein, säuft wie der Schinder,
Stiefelt auf hohen Haxen
Und schlenkert Arme und Bein.
Goldgelb der Rock mit silbernen Knöpfchen,
Dicht überm Kragen baumelt ein Zöpfchen,
Nichts im Ballon als Faxen,
Die Backen knallrot vom Wein.
Pliert zur Kapelle,
Schliert auf der Stelle,
Stopft sich ne Pfeife, hakt wieder ein.
Schnell man ertanzt den Gipfel des Balls,
Blau, doch manierlich noch jedenfalls.
Ulla, halt dich grade!
Keine Eskapade!
Fall mir später um den Hals.[3] Wer ist denn der sympatische Nette?:
Rapsgelbe Hosen, weißse Stieflette,
Piekfeiner Rock mit Schlaufen,
Führt Lotta eben zum Tanz.
Das ist ein Paar wie aus dem Journale:
Niedliche Villa und Kathedrale.
Gebt Vadder Berg zu saufen,
Was Hartes jetzt mit Substanz!
Spund in das Starkbier!
Und nicht so karg hier!
Heut wird geschwelgt, heut dürstet kein Schwanz.
Damen, jetzt bildet hübsch einen Kreis,
tanzt ineinander, winkt mit dem Steiß!
Spielt nun taube Blinde!
Berg, trink aus und schinde
Deinen Wimmerstock mit Fleiß![4] Liebwerte Schwestern, hoch mit den Röcken!
Tobt nun, als sollt ihr Tote erwecken.
Gebt Vadder Berg Kol'fonium,
Likör dem Ballveteran!
He, Vadder Berg, wer ist da die Fette,
Die and der Theke, diese Korvette?
Mamma von Thermopolium!
Das isse! Hack mich der Hahn!
Harsch wie die Granne,
Arsch wie ne Wanne,
diesem entsprechend auch das Organ.
Doch, meine Brüder, hier ist was los,
Hier gibt's Musike, Stiebel und Stoß.
Hier ist Bacchi Stätte,
Hier ist Amors Bette.
Hier bin ich noch mal so groß.
Übersetzung: Fritz Graßhoff