FREDMANS EPISTEL N:o 67

An die liebe Mutter Wirtin vom Hahn.

 

[1] Vater Mowitz, du,
Schnüre zu deine Schuh,
Nimm 's Waldhom in die Hand, du Filou!
Stampf den Takt und blas,
Deinen Kragen faß
Und zupfe vor, du Aas!
Schwärz die Mustasche keck,
mein Sohn,
Und wälze das Faß ins Eck
nun schon!
Öffne Pott und Spund!
Du bist stark, du Hund,
Gesund und kugelrund.

[2] Mutter Wirtin, schau,
ist 'ne stattliche Frau,
'ne rasche Alte. ­ Dir ich's vertrau:
Zwar im Frühjahr war
ich schon siebzig Jahr,
und hab schon graue Haar,
doch rauf rnit Kerlen noch
ganz nett
und tummle mich gerne noch
im Bett.
Sieh, mein draller Arm,
meine Brust voll Haarn,
und fühl, wie ich bin warm.

[3] Setz Perücke adrett,
zupf die Strümpfe nett
und nimm die Bürste, schmier die Stieflett!
Aus der Dose am Brett
hole Farb und Fett
und 's Leder wieder glätt!
Fall auf die Flaschen nicht
gib acht!
Und dann die Gamaschen dicht Gemacht!
So ist's recht! Charmant!
Ja, du bist galant.
Küß deine alte Tant!

[4] Nimm das Waldhorn! ­ Ja!
Auf die Fenster da!
Für Freyas Truppe blase Trara!
Sich den Wagen am End,
blas ins Horn vehement
und mach dein Kompliment!
Klatscht in die Hände schnell!
Gu'n Tag!
Und pfeift im Gelände gell,
ihr Pack!
Mowitz, schwing und kling
und den Wagen bring
und spring zu Ulla, spring!

[5] Flor und Blumenzier,
Seidne Strümpf sieht man hier
und Golduhr, Golduhr, Golduhren schier!
He, macht Platz, alle Mann,
lasset vor den Hahn!
Blas, Mowitz, mit Elan!
Leert Faß und füllt Pokal,
trinkt aus!
Und kehrt Gaß und jagt Fiskal
hinaus!
Pack dich, Teufelsbock,
fahr in Rüsche und Rock,
in Hochfrisur und Lock!

[6] Ja, zur Höll mit dem Ball,
mit den Nymphen im Saal!
Dort stehet Satan, mit schwarzer Krall,
hat ein Kleid angetan
und schlägt listig in Bann,
ja, Mutter, jeden Mann!
Doch in der Nacht stern-
hagelvoll,
leg ich die Mamselln gem
flach, jawoll!
Wolln wir wetten, Gesell?
Mowitz hat auf der Stell
zur Nacht eine Mamsell.

 

Übersetzung: K-R.Utschick

 

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