FREDMANS EPISTEL N:o 24
An die liebe Mutter Wirtin vom Braunen Tor.
[1] Laßt uns plaudern,
Nicht erst zaudern,
Liebe Schwester, denn schon droht :|:
Hinterm Schlot der Bleiche Tod.
Bier schmeckt nur, wenn man zu zweit ist,
Dann auch, wenn der Sarg bereit ist.
Sieh, selbst hier am Grabesrand
Gibt mir Bacchus seine Hand.
Diese Welt hat mich verschmäht,
Reue käme auch zu spät.
Willst du lieb sein,
Schenk mir Schnaps ein,
Einen Klaren schaff ich noch,
Dann rutsch ich ins dunkle Loch.
Omen trügt nicht:
Charon kriegt mich
Doch!
Hör den Eulenschrei!
Besser man vergnügt sich.
Bacchus Säfte schmecken noch.[2] Schlechte Zeiten,
Nichts als Pleiten!
Banken stehn vor dem Kollaps. :|:
Wer nicht blöd ist, hamstert Schnaps.
Doch ich werde hier nicht leben.
Drüben soll es beß'res geben!
Liebe Mutter, stell dir vor:
Wie einst Rumius, Licidor,
Sauf ich dort im Engelchor
Mich zur Gläubichkeit empor!
Schlechte Zeiten,
Nichts als Pleiten!
Meine Glieder werden schwer,
Während ich das Glas ausleer.
Laß es gut sein,
Schenk mir Schnaps ein,
Mehr!
Klopft es jetzt? Herein!
Bacchus, Freund und Hausherr,
Balsamier mich ein mit Wein![3] Schwester höre:
Nymphenchöre!
Setz das Glas an meinem Mund, :|:
Sing in meiner letzten Stund
Von der Liebe, von der Jugend,
Sing mir bloß nicht von der Tugend.
Sag mir, kommt ein rauer Mann
Auch im Garten Eden an?
Pflanzt man dort auch Reben an?
Läßt man mich ans Weinfaß ran?
Schwester höre,
Nymphenchöre!
Gleich schließt sich die dunkle Tür.
Geh, doch laß die Flasche hier!
Schwester, wohl dir!
Halt, lauf, hol mir
Bier!
Sonst verdurst ich
Vor der Kapitoltür!
Schwester, noch ein Skål für dich!
Übersetzung: H. Hoop