FREDMANS EPISTEL N:o 2
An Vater Berg, die Geige betreffend
[1] Komm stimm deine geige,
Hej! Spielmann laß den wein.
Liebes schewesterlein,
Sag doch bloß nicht nein,
Sage ja, dann geht's im kreise.
Deine Kunst nun zeige,
Die saite hell erkling;
Freund, den bogen schwing,
Auf den tisch jetzt spring,
Laß tönen deine weise.
Du schwitzt, bruder, ach,
In branntwein sollst du baden;
Denn unter diesem dach
Ist Bacchi laden.
(V:cllo.) So ists richtig!
Du bist recht wichtig,
Hältst uns aug und ohren wach.[2] Wo nymphen sich schwingen
Im tanze sonder ruh,
Fiedelst du dazu,
Keiner kann wie du
Die jungen herzen binden.
Die liebe mit schlingen
Springt aus den saiten dir.
Ja ein lustrevier
Schaffst du allen hier,
Wo könnt man das noch finden?
Ein augenblick nur,
Man möchte schier erblinden,
Kein mädchen ist hier stur
Beim drehn und winden:
(V:cllo.) Laß es bullern!
Die nymphen kullern
Und du lachst laut mit bravour.[3] Ich liebe die weiber,
Den wein jedoch noch mehr;
Mag auch beide sehr,
Misse beide schwer
Und trenne trotzdem beide.
Die lieblichen leiber,
Der wein im grünen glas:
Gleicher schmaus ist das,
Beides gibt mir was.
Dem bogen gib mehr kreide;
Konfonium nimm dir
Zu unsrer ohrenweide;
Der wein dort winkt auch dir.
Ich bin im leide.
(V:cllo.) Trinken, saufen,
Mit Mädchen raufen,
Rät der heilge Fredman dir.
Übersetzung: H.C.Artmann